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THE FOLLOWING TEXT HAS NO ARTISTIC FRAME (YET)…

es gibt gute gründe, Van der Bellens wirtschaftspolitische Standpunkte problematisch und falsch zu finden,. Er steht für eine bürgerliche Variante des derzeitigen Wirtschaftssystems im alten Sinn, angereichert mit Wertorientierungen wie Antirassismus, Antifaschismus, Menschenrechten. In der welt, in der die älteren von uns groß geworden sind, hätte sich eine solche position in einer bürgerlichen zentrumspartei finden können. dass sie heute problemlos und weitgehend widerspruchslos als links (linksextrem etc.) deklariert werden kann, sagt ziemlich viel über die verschiebungen der kräfteverhältnisse und diskurse aus. die offensiv vorangetriebene autoritäre wende trifft auf kaum widerstand in der (nur noch imaginären) bürgerlichen mitte, die vollkommen zerbröselt scheint.

diese bürgerliche gesellschaft, die oben zitierte alte welt, der kapitalismus wie wir ihn (noch) kennen, war und ist immer widersprüchlich. er beruft sich zwangsläufig auf universelle werte wie menschenrechte und glücksversprechen für alle und muss an diesem versprechen scheitern, weil er gesellschafts- und eigentumsverhältnisse schafft, die für immer mehr (auch in der ehemaligen „ersten welt“) kaum ein paar krümel vom kuchen übrig lassen. dieser widerspruch war und ist immer der ort für emanzipatorische kritik, künstlerisch oder theoretisch. der bürgerliche kapitalismus muss sich an seinen eigenen versprechen messen lassen und sein scheitern daran immer wieder sichtbar gemacht und denunziert werden. das unterscheidet ihn auch von der momentan wahrscheinlicheren alternative, der teilweise schon durchgesetzten autoritären wende. die programme von hofer und co. lassen nämlich die liberalen diskurse (universelle menschenrechte, solidarität, offenheit der theoretischen, weltanschaulichen, künstlerischen debatten, etc.) gleich ganz weg beziehungsweise ersetzen sie durch rückgriff auf (im zweifel: völkische) aggressive identitätsrhetorik und ausgrenzung. man sollte sich also klar darüber sein, dass die „bürgerlich liberale“ variante des kapitalismus nicht das schlimmste ist, was uns blühen kann. es ist vielleicht nicht besonders attraktiv, sie zu verteidigen, im wissen um ihre widersprüche und katastrophen, aber es ist in diesem speziellen moment – am vierten dezember – die einzige möglichkeit, wenn es darum geht, sich einen raum zu bewahren, in dem die notwendige kritik an den verhältnisse formuliert und reflektiert werden kann. wir sollten uns einig darüber sein, dass das nicht ausreicht, und dass es dann darum geht, diese ort zu erweitern, zu verändern und zu beleben, um die denkbaren alternativen voranzutreiben. (johannes schrettle)

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FROM THE WORK ‘STANDBY, YOUR MAN’ WITH ZWEITE LIGA FÜR KUNST UND KULTUR, DRAWING BY EDDA STROBL

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